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Tardoc und ambulante Pauschalen: Teil 3

03. April 2025

Per 1. Januar 2026 wird das veraltete TARMED-System durch den Einzeltarifkatalog TARDOC und ambulante Pauschalen ersetzt. Ziel ist die Modernisierung der Tarifstruktur für ambulante ärztliche Leistungen und eine effizientere, transparente Abrechnung. Für Ärztinnen und Ärzte birgt die Umstellung aber Herausforderungen. In einer Interviewserie haben wir mit Fachpersonen aus verschiedenen Bereichen gesprochen und verraten Ihnen, was zu beachten ist. Im dritten Teil: Claudia Brenn Tremblau, Direktionspräsidentin der Ärztekasse Genossenschaft.

Frau Brenn Tremblau, welche konkreten Vorteile bieten die ambulanten Pauschalen für die Leistungserbringer, insbesondere im Hinblick auf administrative Vereinfachungen?

Mit der Einführung von ambulanten Pauschalen wurde die Hoffnung kommuniziert, dass dadurch die Leistungserfassung und der Prüfaufwand bei den Krankenversicherungen weniger aufwändig sind und dass durch den Wegfall detaillierter Leistungsabrechnungen die Wahrscheinlichkeit von Fehlern sinken soll. Ob sich diese Hoffnung allerdings erfüllt, muss bezweifelt werden. So sieht zum Beispiel die vertragliche Regelung der Tarifpartner vor, dass alle Leistungen in einem Leistungskatalog Ambulante Arzttarife (LKAAT) erfasst werden sollen. Erst mit Hilfe von verschiedenen Applikationen soll anschliessend die Abrechnung gemäss den beiden neuen Tarifen Tardoc und ambulante Pauschalen erfolgen. Die einzelnen Leistungen müssen somit auch in Zukunft separat und umfassend erfasst werden. Zudem ist zukünftig auch die Verwendung von bisher im ambulanten Bereich nicht verwendeten Diagnosen und Konzepten (ICD-10, Patientenkontakt etc.) vorgesehen.

Wir haben bei unserem Kundenkollektiv eine Simulation mit den neuen Tarifen vorgenommen. Dabei haben wir gesehen, dass bei unseren ärztlichen Kunden nur gut 10% Pauschalen anwenden werden. Gemäss den Vorgaben der OAAT haben sich aber alle Leistungserbringer an den aufwändigeren Prozessen für die Leistungserfassung zu orientieren. Das erachten wir als unverhältnismässig. Den Ärztinnen und Ärzten sollten keine unnötigen administrativen Mehraufwendungen aufgebürdet werden.

Wie bereitet sich die Ärztekasse auf die Einführung vor?

Die Ärztekasse hat in Zusammenarbeit mit der FMH einen Browser und verschiedenste Tools entwickelt, welche den ambulanten Leistungserbringern die Umstellung auf die neuen Tarife massgeblich erleichtern werden. Über die Website www.tariftools.ch werden wir zu gegebener Zeit folgende Tools zur Verfügung stellen:

Browser LKAAT+

Der neue Browser bildet die Strukturen des Leistungskatalogs «Allgemeine Arzttarife» der OAAT, des Tardoc und der ambulanten Pauschalen in einer kombinierten Form ab. Der Browser enthält auch eine Darstellung der ICD-10-Diagnosen in einer für die freipraktizierenden Ärztinnen und Ärzte nachvollziehbaren Form.

Tariftools (Digni, Trans, Volumis)

Digni: Mit dem Tool Digni wird basierend auf Dignitäten und weiteren Argumenten ein typischer Leistungskatalog aufgezeigt. Dieses Tool eignet sich für Leistungserbringer, welche noch keine Abrechnungen nach Tarmed vorgenommen haben.

Trans: Mit Trans wird aufgrund von bisherigen Tarmed-Abrechnungen ein personalisierter Leistungskatalog mit TARDOC Positionen aufgezeigt. Auch lässt sich damit ermitteln, wo allenfalls eine Besitzstandswahrung beantragt werden muss und von welchen Pauschalen man allenfalls betroffen sein wird.

Volumis: Mit Volumis wird aufgrund der bisherigen Tarmed-Abrechnungsdaten berechnet, welche Differenz der Tarifwechsel auf den einzelnen Leistungserbringer haben dürfte. Dieses Tool ist vielen Nutzern bereits aus der Zeit der Tarmed-Einführung bzw. der Umstellung der Tarmed-Versionen bekannt.

Die verschiedenen Tools werden es den Leistungserbringern ermöglichen, sich auf die bevorstehende Tarifumstellung vorzubereiten und stellen somit ein zentrales Element der Schulung dar.

In den kommenden Wochen und Monaten werden die Mitarbeitenden der Ärztekasse auf die Tarifumstellung vorbereitet und geschult, so dass sie die Kundinnen und Kunden ab dem 3. Quartal 2025 kompetent beraten und begleiten können. Auch die diversen Praxisinformationssysteme der Ärztekasse werden für die Tarifumstellung angepasst. Unser Ziel ist es, unseren Kunden eine einfache und effiziente Lösung zur Leistungserfassung bereitzustellen. So wird der administrative Aufwand auf das Nötigste beschränkt und eine reibungslose Umstellung auf die neuen Tarife gewährleistet.

Welche Schulungsangebote gibt es für Ärztinnen und Ärzte?

Den Ärztinnen und Ärzten dürfte ein vielfältiges Schulungsangebot zur Verfügung stehen. In der Deutschschweiz wird MediCongress virtuelle Webinare und Workshops vor Ort anbieten. In diesen Schulungsangeboten wird auch die Ärztekasse aktiv mitarbeiten. Zusätzlich werden wir unseren bestehenden Kundinnen und Kunden eigene Webinare, Videoanleitungen und Ausbildungen anbieten.

Was müssen Ärztinnen und Ärzte besonders beachten?

Wir empfehlen den Ärztinnen und Ärzten, sich mit den neuen Tarifen zu befassen und ab dem zweiten Halbjahr 2025 die Tariftools zu konsultieren und eine Schulung zu absolvieren. Je nach Fachrichtung und Leistungsspektrum werden die Leistungserbringer «nur» den Tardoc oder Tardoc und ambulante Pauschalen anwenden müssen. Die Umstellung von Tarmed zu Tardoc dürfte für viele Leistungserbringer nur wenige Überraschungen bringen. Die Anwendung der ambulanten Pauschalen wird hingegen auch für praxiserprobte Leistungserbringer eine grössere Herausforderung darstellen, weshalb eine sorgfältige Vorbereitung unbedingt nötig ist. Die neue Tarifanwendung bedarf sicher auch der klaren Absprache mit den MPA’s – denken wir nur an die richtige Wahl des ICD-10-Codes.

Ein wichtiger Punkt bei der Tarifumstellung wird auch das Konzept des Besitzstandes darstellen. Wir empfehlen allen Ärztinnen und Ärzten, sich mit diesem Thema zu befassen und – falls Sie vom Besitzstand (weiterhin) Gebrauch machen möchten - die vorgesehene Deklaration gegenüber der OAAT vorzunehmen.

Frau Brenn Tremblau, vielen Dank für das Interview.

Das war der dritte und letzte Teil unserer Interviewserie zum Thema TARDOC und ambulante Pauschalen. Gerne unterstützen wir Sie mit unserer Expertise und der Wahl der passenden Partner.

Falls Sie die ersten Teile der Interviewserie verpasst haben:

Erster Teil: Dr. med. Urs Stoffel, Mitglied des Zentralvorstandes der FMH 

Zweiter Teil: Per-Erik Diethelm, Geschäftsführender Inhaber der Consiliamed GmbH (www.consiliamed.ch)

Direkt zum Schulungsangebot von MediCongress: www.tardoc.net

Claudia Brenn Tremblau
Claudia Brenn Tremblau
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Ab Ende März können Sie sich mit Onlineseminaren, die von Expertinnen und Experten entwickelt wurden, einen Überblick verschaffen, um bei der Implementierung von TARDOC bestens vorbereitet zu sein.

Ab Spätsommer 2025 wird das Angebot durch Präsenzseminare erweitert. Diese Seminare sind nach Fachgruppen organisiert, damit Sie gezielt die Themen vertiefen können, die für Ihre Arbeit relevant sind.

Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.tardoc.net.

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